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Gesellschaftslehre

Zeitzeugengespräche

Zeitzeugengespräch in der Anne-Frank-Gedenkstätte mit Frau Simonsohn

Am 24. Februar 2011 besuchten die Klassen 10e von Frau Bopp und 10g von Herrn Schäfer im Rahmen der GL-Unterrichtseinheit „Nationalsozialismus“die Anne-Frank-Begegnungsstätte in Frankfurt am Main. Herr Schäfer hatte es mit einem Elternteil aus seiner Klassemöglich gemacht, dass die Jugendlichen mit der Zeitzeugin der Gräueltaten des Nationalsozialismus,Frau Trude Simonsohn, sprechen durften. Alle Schüler warteten gespannt auf deren Ankunft. Als sie den Raum betrat, wurde es sofort still, alle waren aufmerksam –denn die Schülerinnen und Schüler hatten sich in den vorherigen Unterrichtsstunden intensiv auf diesen Tag vorbereitet, sie wussten, wer Frau Simonsohn ist, was sie durchlebt hatte. Für alle war Frau Simonsohn „ein Wunder“ -immerhin hatte sie drei Konzentrationslager im Dritten Reich überlebt.
Frau Trude Simonsohn brach sofort das Eis, indem sie einfach anfing zu erzählen. Sie berichtete über ihre Kindheit und Jugend in der Tschechoslowakei, über die ersten nationalsozialistischen Tendenzen, die sie als Jüdin natürlich sehr beschäftigten. Nach antisemitischen Anfeindungen verließ sie freiwillig das Gymnasiumund begann in einer jüdischen Organisation mitzuwirken, in der Juden auf das Leben in Palästina vorbereitet wurden. Sie half etlichen Juden auszureisen, ihr selbst fehlten wichtige Dokumente dazu.
Nachdem sie –zu Unrecht –von einem Denunzianten wegen angeblicher kommunistischer Unternehmungen beschuldigt wurde, nahm man sie in Einzelhaft, sie war also politische Gefangene und Jüdin zugleich. Die Einzelhaft in Olmütz überstand sie nur, da ihrein bis heute unbekannter Mannjeden Tag Mut zusprach. Dies bezeichnete sie als ersten Mosaikstein, der ihr das Leben in dieser schweren Zeit rettete. Dort erfuhr sie auch von der Einlieferung (und später vom Tod) ihres Vaters in die KZ Buchenwald und Dachau und von der Deportation ihrer Mutter in das KZ Theresienstadt. Als großes Glück empfand sie –nach furchtbaren Erlebnissen beim Standgericht und im

Gefängnis –die Verlegung nach Theresienstadt; dort traf sie ihre Mutter wieder, dort entwickelten sich neue Bekanntschaften und dort lernte sie auch ihren zukünftigen Mann Berthold Simonsohn kennen und lieben. Auf der Rampe im KZ Auschwitz trennten sich die Wege von Frau Simonsohn, ihrem Mann und ihrer Mutter. Besonders beeindruckend fanden die Schülerinnen und Schüler, wie Frau Simonsohn darüber berichtete, wie der berüchtigte KZ-Arzt Mengele darüber befand, wer in die Gaskammer und wer zum Arbeitsdienst musste. Über Auschwitz selbst konnte die Zeitzeugin aber nur wenig berichten, da sie sich nicht mehr an viel erinnern kann. Sie drückte es folgendermaßen aus: „Meine Seele wurde ohnmächtig.“ Später kam Frau Simonsohn noch in das KZ Merzdorf, das sie auch „nur durch einen Zufall“, nämlichauf Grundeiner schweren Erkrankung, überlebte.
Frau Simonsohn beeindruckte die Jugendlichen mit ihrer Art zu erzählen, die Schüler warenvollkommen überrascht, wie oft sie mit einem Schmunzeln über vergangene Ereignisse berichten konnte. Alle empfanden eine tiefe Dankbarkeit, diese Frau kennengelernt zu haben. Nach ihrem Satz „Ich habe kein Talent zum Hassen“ empfanden die Schüler erst Unglauben, dann Verständnis, denn für Frau Simonsohn steht bis heute fest, dass sie nie die Hoffnung auf ein Miteinander aufgeben wird, außerdem gibt es für sie keine Kollektivschuld –die heutige Generation hält sie für schuldlos an dem, was damals, im Nationalsozialismus unter Adolf Hitler, geschehen ist. Wichtig für sie ist, dass man sich einsetzt, wenn man Unrecht sieht oder erlebt.
Später durften dann die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen, die Frau Simonsohn alle beantwortete. Dieses interaktive Erlebnis schien für alle informativer als jedes Internetforum oder Arbeitsblatt gewesen zu sein.
Als dann leider die Zeit des Zeitzeugengesprächs vorbei war, fühlten sich alle bereichert. Der Respekt Frau Simonsohn gegenüber war riesengroß und alle empfanden das Erleben dieses unvergesslichen Gesprächs als großes Glück.